4. November 2025
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Wettbewerbsanalyse – wie ich Konkurrenz nicht beobachte, sondern verstehe

Wenn ich ein neues Projekt starte, beginne ich fast nie mit der Zielgruppe. Ich beginne mit dem Markt. Und damit meine ich nicht: Zahlen, Marktanteile oder Studien. Ich meine: Menschen, Marken und Mechanismen.

Eine gute Wettbewerbsanalyse ist kein Excel-Dokument, sondern eine Art Detektivarbeit. Sie zeigt, wo deine Mitbewerber stark sind – und wo sie blind sind. Sie deckt Muster auf, die du nutzen kannst, um dich klarer zu positionieren. Und sie hilft dir, nicht zu kopieren, sondern dich abzugrenzen.

Ich habe über die Jahre ein System entwickelt, das ich in jedem Branding-, Funnel- oder Produktprojekt anwende – egal, ob für Startups oder Mittelstand. Und genau dieses System will ich hier Schritt für Schritt erklären.

Warum eine Wettbewerbsanalyse unverzichtbar ist

Viele Unternehmen wissen, was sie machen.
Aber kaum eines weiß, was der Wettbewerb besser macht – oder schlechter.

Eine saubere Wettbewerbsanalyse zeigt dir,

  • wie sich dein Markt bewegt,
  • welche Botschaften funktionieren,
  • welche Kanäle überperformen,
  • und wo noch Platz ist.

Ich sehe sie nicht als Pflichtaufgabe, sondern als Strategie-Booster.
Denn wer versteht, wie andere überzeugen, kann sein eigenes Marketing präziser steuern.

Praxis-Tipp:
Wenn du in einer Branche arbeitest, die gesättigt ist (z. B. Coaching, SaaS, Beratung, Immobilien), ist die Wettbewerbsanalyse oft dein stärkstes Werkzeug – weil Differenzierung dort wichtiger ist als Innovation.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Wie ich eine Wettbewerbsanalyse durchführe

Ich arbeite in fünf Phasen – klar strukturiert, aber flexibel genug, um sie auf jedes Projekt anzuwenden.

1. Wettbewerber identifizieren – wer spielt überhaupt mit?

Bevor du analysieren kannst, musst du wissen, wen du eigentlich analysierst.
Ich unterscheide hier immer zwischen drei Arten von Wettbewerbern:

  • Direkte Wettbewerber:
    Bieten das gleiche Produkt oder dieselbe Dienstleistung für dieselbe Zielgruppe.
    (z. B. zwei Coaching-Ausbildungsanbieter)
  • Indirekte Wettbewerber:
    Lösen dasselbe Problem auf andere Weise.
    (z. B. ein Onlinekurs statt einer Ausbildung)
  • Alternative Wettbewerber:
    Kunden entscheiden sich dagegen – oder machen es selbst.
    (z. B. DIY-Marketing statt Agentur)

Tools für die Identifikation:

  • Google-Suche mit Keywords
  • LinkedIn-Suche (Unternehmen + Branche)
  • SimilarWeb (Traffic-Daten & ähnliche Seiten)
  • Crunchbase (Startups & Märkte)
  • ChatGPT oder Perplexity zur Wettbewerbsrecherche („Top Anbieter für … in Deutschland“)

2. Sichtbarkeit & Reichweite messen – wo stehen sie wirklich?

Jetzt geht’s an die Zahlen.
Ich will wissen: Wie stark sind meine Wettbewerber online sichtbar – und warum?

Ich nutze hier meist folgende Tools:

  • Ahrefs / SEMrush: SEO-Performance, Keywords, Backlinks, Content-Strategien.
  • Sistrix: Sichtbarkeitsindex, Rankingentwicklung, Content-Leistung.
  • SimilarWeb: Traffic-Quellen, Verweildauer, Länderanteile.
  • Meta Ads Library / LinkedIn Ads Library: Welche Kampagnen laufen?
  • Google Ads Transparency Center: Welche Suchanzeigen werden geschaltet?

Ich achte besonders auf:

  • Welche Keywords besetzen Wettbewerber stark?
  • Welche Themen ranken dauerhaft?
  • Welche Kanäle (Paid, Organic, Social) funktionieren für sie am besten?

Praxis-Tipp:
Wenn du siehst, dass Wettbewerber viel in Display oder Social investieren, aber ihre SEO-Sichtbarkeit niedrig ist, weißt du, wo deine Lücke liegt.

3. Kommunikationsanalyse – wie sprechen sie über sich?

Hier wird es spannend.
Ich gehe auf die Websites, Social-Media-Profile und Ads meiner Wettbewerber und analysiere ihre Markensprache.

Ich frage mich:

  • Welche Tonalität verwenden sie? (Emotional, rational, visionär?)
  • Wie klar ist die Value Proposition?
  • Welche Themen werden wiederholt?
  • Welche Pain Points werden adressiert – und welche nicht?

Praxis-Tipp:
Ich screenshotte Headlines, Slogans und USP-Passagen und lege sie nebeneinander in ein Miro-Board.
So erkennst du visuell, wer wofür steht – und wo alle das Gleiche sagen.

Typisches Ergebnis:
80 % der Anbieter sagen „individuell“, „maßgeschneidert“, „innovativ“.
Das ist kein Vorteil – das ist Standard.
Hier kannst du dich abheben, indem du konkret wirst: „Wir helfen Coaches, in 6 Monaten ihre ersten 10 Kunden zu gewinnen“ ist stärker als „Wir bringen dich weiter“.

4. Content & Social Media – wie erzählen sie ihre Marke?

Eine Wettbewerbsanalyse ist nicht komplett, wenn du nur Websites ansiehst.
Ich gehe tiefer – in Content, Frequenz, Formate und Engagement.

Ich nutze:

  • BuzzSumo: Top-Content nach Shares & Reichweite
  • LinkedIn-Analyse (manuell): Welche Posts performen gut? Wie oft posten sie?
  • Meta Page Transparency: Welche Ads laufen aktiv?
  • YouTube & TikTok Analytics (manuell): Wie nutzen sie Videoformate?

Ich beobachte:

  • Welche Themen erzeugen Kommentare?
  • Welche Inhalte bleiben oberflächlich, welche sind tief?
  • Welche Call-to-Actions verwenden sie?

Praxis-Tipp:
Notiere, wo Wettbewerber Themen nur anreißen.
Das sind deine Content-Chancen.
Beispiel: Wenn niemand im Markt über Preise oder Fehler spricht – tu du es.

5. Angebot, Funnel & Pricing – wie konvertieren sie?

Hier schaue ich mir den „Maschinenraum“ an.
Ich klicke mich durch ihre Funnels, Ads, Landingpages und Registrierungsprozesse.

Ich will wissen:

  • Wie ist der Conversion Flow aufgebaut?
  • Welche CTAs verwenden sie (Demo, Freebie, Call)?
  • Wie klar ist das Pricing?
  • Welche psychologischen Trigger nutzen sie (Social Proof, Knappheit, Vertrauen)?

Praxis-Tipp:
Melde dich ruhig für Newsletter oder Freebies an.
Analysiere, wie der Funnel weitergeht – welche E-Mails kommen, welche Hooks, welche Timings.
Gerade im SaaS- und Coaching-Markt siehst du daran, wie professionell jemand wirklich arbeitet.

Was du aus einer Wettbewerbsanalyse lernen kannst

Ich sehe die Wettbewerbsanalyse nicht als Konkurrenzvergleich, sondern als Inspirationsquelle.
Du lernst nicht nur, was andere tun – du lernst, was sie nicht tun.

Aus den Ergebnissen ziehe ich in der Regel vier strategische Outputs:

  • Positionierung:
    Wo ist die Marktlücke?
    Welche Themen, Werte oder Zielgruppen werden nicht besetzt?
  • Kommunikation:
    Welche Worte, Claims oder Emotionen funktionieren?
    Wie kannst du deine Botschaft klarer oder konträrer formulieren?
  • Produktentwicklung:
    Welche Features fehlen anderen, die du bieten kannst?
    Welche Kritikpunkte von Kunden kannst du besser lösen?
  • Kanalstrategie:
    Welche Kanäle liefern im Markt nachweislich Ergebnisse – und welche sind überbewertet?

Praxisbeispiel:
In einem Projekt für einen HR-Dienstleister zeigte die Wettbewerbsanalyse,
dass 90 % der Konkurrenten kaum Testimonials oder Case Studies nutzten.
Wir bauten systematisch Fallbeispiele auf.

Tools, die ich für Wettbewerbsanalysen wirklich nutze

Ich habe über die Jahre viel getestet, aber diese Tools sind mein Standard-Setup:

  • SEMrush / Ahrefs: SEO, Traffic, Keywords
  • Sistrix: Sichtbarkeit & Rankingvergleiche
  • SimilarWeb: Traffic-Herkunft & Engagement
  • BuzzSumo: Top-performing Content
  • Meta & LinkedIn Ads Library: Werbeeinblicke
  • Google Alerts: Wettbewerbsmonitoring
  • Miro / Notion: visuelle Zusammenfassung & Präsentation

Pro-Tipp:
Baue dir ein „Competitor Dashboard“ in Notion oder Sheets.
Einmal sauber angelegt, kannst du es vierteljährlich aktualisieren – in 15 Minuten.

Wie oft du eine Wettbewerbsanalyse durchführen solltest

Ich empfehle:

  • Bei Markteintritt: Vollanalyse (Markt, Sprache, Kanäle, Positionierung).
  • Jährlich: Strategische Review (hat sich der Markt verändert?).
  • Quartalsweise: Quick-Check (neue Kampagnen, SEO-Rankings, Trends).

Denn Märkte bewegen sich schnell.
Was heute funktioniert, ist morgen Standard.
Nur wer regelmäßig beobachtet, bleibt relevant.

Wettbewerbsanalyse ist kein Copy-Job

Eine Wettbewerbsanalyse hat nichts mit Nachmachen zu tun.
Sie hilft dir, klarer zu sehen, wer du bist – weil du erkennst, was andere nicht sind.

Ich sage es oft in Workshops:

„Du baust keine Marke gegen den Wettbewerb auf – du baust sie trotz des Wettbewerbs auf.“

Wenn du weißt, wie dein Markt kommuniziert, kannst du deine Botschaft bewusst anders setzen.
Das ist der Punkt, an dem Strategie zur Identität wird.

Wenn du wissen willst, wie du eine professionelle Wettbewerbsanalyse aufsetzt und daraus eine Positionierungsstrategie ableitest,
melde dich gern für ein unverbindliches Beratungsgespräch
– ich zeige dir, wie du aus Beobachtung Handlung machst.

Noch Fragen? Oder brauchst du Sparring?

Ich habe in den letzten 15 Jahren zahlreiche Gründer bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Branding- und Marketingstrategie begleitet – von der Seed-Phase bis zum Exit. Wenn du dir Unterstützung wünschst – als Sparringspartner, Coach oder operativer Mitdenker – dann melde dich gern.